Gedanken zur Kommaverweigerung, oder: Komm wir essen Oma.

In Zeiten von What’s app und Sozialen Medien greift die Kommaverweigerung immer weiter um sich. Zum einen ist da die Unsicherheit, wo überhaupt ein Komma gesetzt werden muss. Zum anderen fehlt in Zeiten von Autokorrektur und vorgeschlagenen Begriffen auch der Sinn, warum man sich diese Mühe überhaupt machen sollte. Macht man überhaupt einen Kommafehler, wenn man kein Kommata setzt?

Fakt ist: Kommata sind in Schularbeiten, Referaten, Bachelor- und Abschlussarbeiten der mit Abstand am häufigsten verursachte Zeichenfehler. Manche gießen Sie per Gießkannenprinzip über den Text, andere wollen sich diese Blöße erst gar nicht geben und verzichten komplett auf korrekte Kommasetzung. Einschlägige Untersuchungen machen für 80% der Fehler in der Zeichensetzung Komma-Fehler aus. Davon wiederum 75% in weggelassenen Kommata.

Dabei zeigt schon der kurze Satz „Wir essen Oma“, dass ein Komma im Zweifelsfall auch mal Leben retten kann.

Ich habe mal gelesen, dass man Menschen über 30 in Sozialen Medien daran erkennt, dass Sie Großbuchstaben und Kommata verwenden. Aus dieser Sicht hat eine Verweigerung korrekter Kommasetzung auch einen Sinn. Schon 2012 stellte Harald Martenstein in der ZEIT fest, „Der Fortbestand der freilebenden sibirischen Tiger ist weniger bedroht als der Fortbestand des korrekt gesetzten deutschen Kommas“.

Sei es drum. Die Erfinder des Kommas (so es sie denn gibt) hatten als Ziel das leichtere Lesen von Texten. Mehrdeutigkeiten wie im Falle der Oma sollten vermieden werden. Aber das ist nicht die einzige Aufgabe korrekter Kommasetzung.

Kommaregeln – was soll das eigentlich?

Die Aufgabe eines Kommas ist, gleichrangige Elemente voneinander abzugrenzen. Somit dient es schlicht und einfach der besseren Lesbarkeit bei langen, oder wie oben zu sehen, auch kurzen Sätzen. Konkurrenz hat das Komma nur durch Konjunktionen wie und, oder, usw.

Kommaregeln? Wenn schon diese Webseite und der Domain läuft, wird es da ja was geben. Es gibt feste Vorschriften als auch Kannste-machen-Regeln. Die gibt es für Einschübe, Anrede, Aufzählungen, Satzreihen, Satzgefüge und Infinitivgruppen.

Ein Komma nach einer Anrede im Brief ist allseits vertraut. Bei der Endstellung einer Anrede kann das Weglassen dann zu verstörenden Aussagen wie „Wir essen jetzt Kinder“ (oder Oma, Papa,…) mutieren.

Kommaverweigerung bei Aufzählungen – Wenn Sätze neue Wendungen bekommen

„Ich mag meine Frau kochen und meine Katze.“ Wie oben schon erwähnt, ist die Trennung gleichrangiger Elemente eines der wichtigsten Aufgaben von Kommata. Und hier zeigt sich auch, dass vor einem und oder oder kein Komma gesetzt wird, sofern es keinen Einschub einleitet, da es das abschließende Element ist.

Die Komplexität der deutschen Sprache und ihrer Kommasetzung mit Aufzählungen und Einschüben zeigt sich denn auch im folgenden Beispiel:

Theresa, meine Schwester, und Clara kamen zu Besuch (2 Personen)

Theresa, meine Schwester und Clara kamen zu Besuch (3 Personen)

Es geht noch besser (schlimmer):

Theresa, meine Schwester, Clara und Laura kamen zu Besuch

Hier ließe sich nicht mehr mit Sicherheit sagen, ob es sich um eine Aufzählung mit Apposition, ergo 3 Personen, oder um eine einfache Aufzählung mit 4 Personen handelt. Würde man das zweite Komma löschen, wäre Clara die Schwester von Theresa und nicht mehr die des Erzählers.

Unterscheidung von Haupt- und Nebensätzen relevant

Eine zuverlässige Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebensatz erleichtert die korrekte Kommasetzung. Denn neben „und“ und Gedankenstrich ist das Komma der wichtigste Trenner.

Ganz banal gesagt: Einen Hauptsatz erkennt man daran, dass er für sich alleine stehen kann. Kann er das nicht, ist er ein Nebensatz. Nebensätze werden mit oft mit Konjunktionen (dass, weil, obwohl, wenn) oder mit Relativpronomen (welcher, welches, der, die, das) eingeleitet. Das finite Verb steht am Ende, beim Hauptsatz steht es weiter vorne.

Und auch bei der Trennung des Satzes muss man immer die Intention im Auge behalten. Folgendes Beispiel soll das verdeutlichen.

Die Polizisten kamen, als Betrunkene rauften und randalierten

und

Die Polizisten kamen als Betrunkene, rauften und randalierten.

Sind zwei ganz verschiedene paar Schuhe.

Weitere Infos unter Haupt- und Nebensätze unterscheiden.

Noch ein Tipp für Kommaverweigerer:

Wer sich unsicher bzgl. Kommasetzung ist, der verwendet am besten kurze Sätze und Hauptsätze. Das ist zwar keine Garantie für fehlerfreie Sätze, aber es hilft schon mal weiter. Zudem erhöhen kurze Sätze die Lesbarkeit, insbesondere bei Online-Texten.